Schilf-Glasflügelzikade (SGFZ)
Antwort
Wieso ist die SGFZ ein Problem für die Landwirtschaft?
Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) überträgt zwei bakterielle Erreger: Das Proteobakterium Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus (ARSEPH) und das Stolbur Phytoplasma Candidatus Phytoplasma solani (PHYPSO). ARSEPH kann hierbei an die Nachkommen weitergegeben werden, PHYPSO muss von jedem Individuum aufgenommen werden, um den Erreger weiter zu tragen. Diese beiden Erreger verursachen je nach Kultur unterschiedliche Krankheiten. Infizierte Zuckerrüben tragen die Krankheit SBR (Syndrom der niedrigen Zuckergehalte), infizierte Kartoffeln die Krankheit BKW (Bakterielle Kartoffelknollenwelke). Auch verschiedene Gemüsekulturen wie Möhre, Rhabarber oder Rote Beete können infiziert werden. Bei allen infizierten Kulturen kommt es zu Ertrags- und Qualitätsverlusten sowie Probleme bei der Verarbeitung. In manchen Fällen können kranke Pflanzen auch gar nicht mehr vermarktet oder verarbeitet werden.
Lebenszyklus Schilf-Glasflügelzikade
Die adulten Schilf-Glasflügelzikaden fliegen ab Mitte Mai in Zuckerrüben-, Kartoffel- oder Gemüsefelder ein. Dort saugen sie an den Kulturpflanzen und übertragen die beiden Erreger ARSEPH und PHYPSO. Die weiblichen Zikaden legen nach der Paarung Eier an den unterirdischen Organen der Kulturpflanzen ab (Kartoffel, Rübenkörper). Wenn die Nymphen schlüpfen, durchlaufen sie 5 Nymphenstadien. Währenddessen saugen sie an den unterirdischen Pflanzenteilen und übertragen ARSEPH. Wenn Nymphen an Pflanzen saugen, welche bereits durch adulte Zikaden mit PHYPSO infiziert wurden, können diese ebenfalls PHYPSO aufnehmen und weiter übertragen. Über Winter verbleiben die Nymphen im Boden und wandern bei kalten Temperaturen in tiefe Bodenschichten. Im folgenden Jahr, wenn sich adulte Tiere entwickelt haben, fliegen sie aus den ehemaligen Zuckerrüben- oder Kartoffelflächen aus in neue Felder mit Wirtspflanzen.

Was bedeutet das für die Praxis?
Die von der Schilf-Glasflügelzikade übertragenen Krankheiten verursachen starke Ertrags- und Qualitätsverluste in den betroffenen Kulturen, was zu einer Gefährdung der Wirtschaftlichkeit führt. Zuckerrüben weisen geringere Zuckergehalte und Erträge auf, was den Gewinn mindert. Bei der Verarbeitung kommt es zu großen Problemen wenn die Konsistenz der Rüben gummiartig wird oder Fäulnis auftritt. Anders als bei Zuckerrüben sind die Symptome bei Kartoffelpflanzen vielfältiger und weniger spezifisch, wodurch sie leicht mit anderen Kartoffelkrankheiten verwechselt werden. An betroffenen Kartoffeln treten häufig Geiztriebe, Vergilbungen, Rotfärbung, Luftknollen und gummiartige Knollen auf. Ebenfalls wurden erhöhte Zuckergehalte in infizierten Kartoffelknollen beobachtet. Die Auswirkungen der übertragenen Krankheitserreger auf die gesamte Wertschöpfungskette der Kartoffel ist enorm und aufgrund der verschiedenen Verarbeitungsarten von Kartoffeln sehr komplex. Durch die schlechte Verarbeitbarkeit der Gummiknollen kann es bei betroffenen Kartoffeln zu Totalausfällen kommen. Der Anbau von Frühkartoffeln ist nicht von der BKW-Problematik betroffen, da die Ernte dieser Kartoffeln teilweise vor dem Zikadenflug stattfindet, oder die Symptome nach einer Infektion zum Zeitpunkt der Ernte noch nicht stark ausgeprägt sind. Durch den Ausflug der Zikade ab Mai und eine kürzere Infektionszeit sind Frühkartoffeln daher weniger gefährdet.
Fazit
Die SGFZ ist Überträger für zwei bakterielle Erreger, welche bei verschiedenen Ackerkulturen zu Krankheiten und Schäden führt. Infizierte Zuckerrüben tragen die Krankheit SBR (Syndrom der niedrigen Zuckergehalte), infizierte Kartoffeln die Krankheit BKW (Bakterielle Kartoffelknollenwelke). Auch verschiedene Gemüsekulturen wie Möhre, Rhabarber oder Rote Beete können infiziert werden. Bei allen infizierten Kulturen kommt es zu Ertrags- und Qualitätsverlusten sowie Probleme bei der Verarbeitung. Die Wirtschaftlichkeit des Anbaus dieser Kulturen ist gefährdet.